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Neuer Geschäftsführer des Weinbauverbands Saale-Unstrut: Zwischen Franzbranntwein und Rahmenverträgen

SEBASTIAN HENZE: Der neue Geschäftsführer des Weinbauverbandes und der Gebietsweinwerbung Saale-Unstrut will die Winzervereinigung vor allem „nach innen“ stärken.

Sebastian Henze hat Anfang August 2021 sein Amt als Geschäftsführer des Weinbauverbandes Saale-Unstrut angetreten. FOTO: ANDREAS LÖFFLER

13.09.2021

Am 2. August dieses Jahres hat er sein Amt angetreten und erlebt nun mit Konzeptionierung und Vorbereitung des „kleinen“ Winzerfestes im Herzoglichen Weinberg direkt seine „Feuertaufe“: Sebastian Henze ist der neue Geschäftsführer des Weinbauverbandes und der Gebietsweinwerbung Saale-Unstrut. „Auch wenn sich das Winzerfest 2021 Pandemie bedingt auf pro Tag höchstens 400 Gäste auf dem Festareal am Herzoglichen Weinberg beschränken muss und sich somit zuallererst an die Einheimischen richtet, ist es wirklich wichtig, dass eine solche Veranstaltung stattfindet und wir winken: Wir sind noch da“, sagt der 40-Jährige und steckt damit in gewisser Weise auch das Credo für seine Tätigkeit in den nächsten Jahren ab: Da zu sein für die Winzer und Weinbauern in der Region, sie zu unterstützen und zu stärken.

Dabei hatte der Mann, der momentan noch von Leipzig pendelt, sich mit seiner als Leiterin im Friedrich Ludwig Jahn-Museum tätigen Partnerin Manuela Dietz aber schon bald in Freyburg niederlassen will, rein beruflich betrachtet mit dem Thema Wein bislang wenig bis nichts am Hut. „Ich habe zuvor als Referent für einen großen Pflegeverband in Sachsen gearbeitet; da kam höchstens mal auf Franzbranntwein die Rede“, sagt der studierte Politik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler (und übrigens gelernte Zimmermann!) mit einem Augenzwinkern, um sofort ernsthaft nachzuschieben: „Ich kenne mich allerdings sehr gut in der – von außen manchmal vielleicht sogar etwas trocken erscheinenden - Verbandsarbeit aus und will genau dies an Saale und Unstrut auch in die Waagschale werfen.“

An seiner neuen Aufgabe reize ihn die „große Bandbreite, die buchstäblich vom Radiergummi bis eben hin zum Winzerfest reicht, und insbesondere der große Gestaltungsspielraum, für die Zukunft hier etwas wirklich Substanzielles bewegen zu können“, betont Sebastian Henze. Denn Corona habe gezeigt, dass die bestehenden Systeme sehr fragil seien. Für ihn heiße das konkret: „Wie kann ich die Arbeit in unserem Verband so gestalten, dass sie weniger anfällig für solche und andere Störfaktoren von außen ist und auch dann reibungslos funktioniert, wenn keine großen Veranstaltungen und Feste stattfinden können.“

Zwischen Franzbranntwein und Rahmenverträgen Image 2

Henze will daher die Gewichtung zwischen der eigentlichen klassischen Verbandsarbeit, die zuvorderst und ganz unmittelbar den Mitgliedern zugutekommt, und dem Thema Gebietsweinwerbung, zu dem Messeauftritte etwa auf ITB oder ProWein und eben die Durchführung von Veranstaltungen wie Weinsommer, Jungweinprobe oder Weinprämierung gehören, neu justieren. Dies sei in keiner Weise eine Absage an das Thema Veranstaltungen, das gezielt und projektbezogen auch weiterhin betrieben werden solle; es ginge ihm vielmehr darum, den Weinbauverband auch „nach innen“ so attraktiv wie möglich für die bestehenden – und eben auch potenzielle neue – Mitglieder zu machen.

„Ich möchte den Winzern bei solchen unter ihnen heiß diskutierten Themen wie Bewässerungsanlagen, Saisonarbeitskräfte oder auch Pflanzenschutz, Stichwort pilzresistente Rebsorten, ganz greifbare Unterstützung leisten – etwa indem wir Fördermittelrichtlinien aufarbeiten und ,übersetzen’, Musterschreiben erstellen, bei der Antragstellung begleiten“, sprudelt es aus Sebastian Henze heraus. Ein großes Potenzial zur ganz konkreten Unterstützung der Mitglieder sieht er auch in Gestalt so genannter Rahmenverträge, die nach einer Art „Mengenrabatt“ funktionieren.

„Ich frage mich also, was unsere Winzer im Alltag so benötigen – Kleingeräte, Pflanzenschutzmittel oder auch Versand-Dienstleistungen etwa – und suche dazu Kooperationspartner, die genau so etwas in ihrem Portfolio haben und dies mit Blick auf unseren potenziell großen Interessentenkreis auch zu vergünstigten Sonderkonditionen anbieten“, beschreibt Sebastian Henze das Prinzip, das sich noch auf jede Menge andere Bereiche ausdehnen ließe – und zwar umso wirkungsmächtiger, je mehr Weinbauverbandsmitglieder zu den aktuell 265 hinzukommen.

Er könne sich also durchaus vorstellen, den Kreis etwa für die hiesigen Gastronomiebetriebe, die ja ebenfalls ganz nah am Thema Saale-Unstrut-Wein dran seien, zu öffnen. Doch wenn das Zukunftsmusik ist, geht es jetzt erst einmal um das Hier und Heute: um das kleine Winzerfest im Herzoglichen Weinberg also – des neuen Geschäftsführers „Feuertaufe“.