Dessau-Roßlau
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Der Arbeitsmarkt erholt sich weiter

Beschäftigung: Die Kurzarbeit wirkt weiterhin stabilisierend

Torsten Narr ist Chef der Agentur für Arbeit Dessau-Roßlau-Wittenberg. FOTO: RUTTKE

19.05.2021

Der Arbeitsmarkt erholt sich weiter. Wie bereits im Vormonat setzt sich die Frühjahrsbelebung im April fort. „Sie ist vor allem auf die gestiegene Arbeitskräftenachfrage und Einstellungsbereitschaft in den Außenberufen, wie etwa Landwirtschaft und Bau zurückzuführen. Die Kurzarbeit wirkt weiterhin stabilisierend. Dennoch nehmen die Entlassungen im Handel aber auch in der Arbeitnehmerüberlassung zum Vormonat zu. Die Risiken für den Arbeitsmarkt aus der dritten Corona-Welle und dem Auslaufen der Insolvenzregelungen bleiben bestehen.

Deutliche Auswirkungen der Pandemie zeigen sich in der Entwicklung von Langzeitarbeitslosigkeit. Bis zum letzten Jahr ging, getragen von der wirtschaftlichen Entwicklung, die Anzahl der Langzeitarbeitslosen immer weiter zurück. Aktuell zählen über 40 Prozent der Arbeitslosen in Anhalt-Bitterfeld zu den Langzeitarbeitslosen, weil sie seit einem Jahr und länger keiner Beschäftigung nachgehen. Es droht die Verfestigung von Arbeitslosigkeit, die wir mit Sorge sehen und uns in den kommenden Jahren beschäftigen wird. Die Integration von Langzeitarbeitslosen gestaltet sich bei einem von Unsicherheiten betroffenem Arbeitsmarkt immer schwieriger.

Eine Schüsselrolle nimmt dabei die Qualifizierung und Aktivierung von Arbeitslosen - auch zur Vermeidung von Langzeitarbeitslosigkeit - ein, die wir unter den möglichen Rahmenbedingungen derzeit verstärken“, so Torsten Narr, Chef der Agentur für Arbeit Dessau-Roßlau-Wittenberg.

Arbeitslosigkeit

Im April waren 5.734 Frauen und Männer arbeitslos. In der Betrachtung zum Vormonat sank die Anzahl um 240 Personen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Arbeitslosen um 388 Frauen und Männer gesunken.

Die Arbeitslosenquote lag bei 7,3 Prozent, 0,3 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Anhalt-Bitterfeld lag damit 0,2 Prozentpunkte unter der Quote des Agenturbezirkes Dessau-Roßlau-Wittenberg.

Unterbeschäftigung

Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lag im April bei 8.059. Das waren 468 weniger als im Vorjahr. Die Unterbeschäftigtenquote lag bei 10,0 Prozent. In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu Arbeitslosen auch Personen abgebildet, die Teilnehmer in Maßnahmen sind oder einen Sonderstatus (etwa kurzfristige Arbeitsunfähigkeit) innehaben und damit gesetzlich nicht arbeitslos sind. Es finden wieder verstärkt arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, wie zum Beispiel Qualifizierung statt.

Einstellungen und Entlassungen

Im April wurden 390 Menschen aus Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt entlassen und meldeten sich arbeitslos, 45 mehr als im Vormonat. Im selben Zeitraum nahmen 441 Frauen und Männer aus der Arbeitslosigkeit heraus eine Beschäftigung auf, das waren 63 mehr als im März,

Stellenmeldungen

Die Zahl der Stellenmeldungen sank im April im Vergleich zum Vormonat. Unternehmen meldeten dem Arbeitgeber-Service 236 neue Stellen. Das verarbeitende Gewerbe, die Arbeitnehmerüberlassung (Zeitarbeit) und die öffentliche Verwaltung haben im April die meisten Stellen gemeldet.

Kurzarbeit

Die Zahl der neuen Anzeigen auf Kurzarbeit ist im April gesunken. Es gab 16 neue Anzeigen für insgesamt 434 Beschäftigte.

Jobcenter KomBA-ABI

Das Jobcenter KomBA-ABI hatte im vergangenen Monat sinkende Leistungsempfängerzahlen zu verzeichnen. So gab es im April 9.156 Bezieher von Arbeitslosengeld II und 2.502 von Sozialgeld. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften (BG) stieg. Aktuell werden 7.391 Bedarfsgemeinschaften betreut. Im März war es 160 Bedarfsgemeinschaften weniger. AA


Außenhandel weniger von Corona-Krise betroffen

IHK: Aber Import nach Sachsen-Anhalt fällt deutlich rückläufig aus

Von der Corona-Krise wird die Exportwirtschaft in Sachsen-Anhalt bisher weniger hart getroffen als anderswo in Deutschland. Birgit Stodtko, Geschäftsführerin International bei der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK), berichtet: „Das Jahr 2020 hat unseren ausfuhrorientierten Industrieunternehmen einen Exportrückgang beschert.

Dieser fiel mit 3,6 Prozent – rund 600 Millionen Euro – jedoch im Bundesvergleich eher glimpflich aus.“ Denn deutschlandweit seien die Ausfuhren sogar um 9,3 Prozent gesunken. In dieses Bild passt laut Stodtko, dass die IHK im vergangenen Jahr nicht viel weniger Exportdokumente ausgestellt hat als 2019. Hintergrund: Für manche Länder sind bestimmte offizielle Nachweise erforderlich. Was allerdings die Importe nach Sachsen-Anhalt betrifft, sei der Rückgang mit rund 2,4 Milliarden Euro (13 Prozent) deutlicher ausgefallen.

Als Gründe für die rückläufigen Zahlen nennt Stodtko Lieferengpässe, Reisebeschränkungen, Logistikprobleme sowie Einbrüche bei der Auslandsnachfrage und den Brexit. „Hier wirkt sich aber nicht nur die Corona-Pandemie negativ aus, sondern zunehmend auch politische Handelshemmnisse“, erklärt Stodtko. Laut einer aktuellen Umfrage berichteten 47 Prozent der weltweit aktiven deutschen Unternehmen über solche Hürden: verstärkte Sicherheitsanforderungen, zusätzliche lokale Zertifizierungen, Sanktionen und höhere Zölle. IHK